Rezensionen
An dieser Stelle finden Sie monatliche Rezensionen zu
unseren persönlichen Buchempfehlungen.
Empfehlungen für den Monat Jänner 2026
Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen

Eine Schriftstellerin wird von einem namhaften Theaterregisseur gebeten, im südamerikanischen Dschungel an der Rekonstruktion eines Falles von zwei verschwundenen Holländerinnen teilzunehmen. Sie nimmt eine lange Reise auf sich und trifft dort auf die anderen Teilnehmer des Projekts. Ihre Aufgabe dabei: alles schriftlich festzuhalten, jede Begebenheit, jedes Gespräch untereinander.
Der schmale, mit dem Deutschen Buchpreis 2025 ausgezeichnete und fast durchwegs in indirekter Rede gehaltene Band erzählt nicht nur von den Erfahrungen und Bedingungen im tropischen Dschungel, sondern lässt tief in die Abgründe der menschlichen Existenz blicken.
Empfehlungen für den Monat Dezember 2025
Beate Maly: Aurelia und die Jagd nach dem Glück

Wien, 1871: Mitten in der Ballsaison wird der zwielichtige Lottokönig Freiherr von Sothen aus nächster Nähe erschossen. Verdächtige gibt es ausreichend, Oberinspektor Janek Pokorny ermittelt in alle Richtungen. Unterstützung erhält er von der jungen Gräfin Aurelia von Kolowitz, als diese die Witwe des Mordopfers kennenlernt. Doch Aurelia kämpft auch mit den strengen Konventionen ihrer Zeit: die soziale Ungerechtigkeit gegenüber Frauen ist ihr ein Dorn im Auge, außerdem soll sie endlich wider ihren Willen heiraten.
Bereits zum dritten Mal hilft Aurelia mit ihrer unbekümmerten, erfrischenden Art und ihren Kontakten zum Adel dem jungen, feschen Oberinspektor Janek. Ein Wien-Krimi zu einem historisch belegten Kriminalfall - für alle Fans von Cosy Crime.
Empfehlungen für den Monat November 2025
Vea Kaiser: Fabula Rasa

Angelika Moser, aufgewachsen in den 1970ern im Gemeindebau mit einer alleinerziehenden Mutter, arbeitet als Buchhalterin im noblen Grand Hotel Frohner. In der Welt der Zahlen kennt sie sich aus. Die Welt der Reichen und Schönen vor Augen, sieht sie sich trotz beruflichen Aufstiegs außerstande, mit ihrem Gehalt ein nur annähernd luxuriöses Leben zu finanzieren. Als sie auch noch Alleinerzieherin wird und die Demenz Ihrer Mutter voranschreitet, nimmt sie die Gelegenheit wahr, sich Geld von ihrem Arbeitgeber zu „borgen“. Viele Jahre lang bleibt ihr Geheimnis bewahrt.
Vea Kaiser erzählt gewohnt packend und vielschichtig diese wahre Kriminalgeschichte über einen Zeitraum von 3 Jahrzehnten, gespickt mit viel Wiener Lokalkolorit.
Heinrich Steinfest: Das schwarze Manuskript

Der reiche Industrielle Ashok Oswald lebt ein sorgenfreies Leben in seiner Villa in Köln, bis sich eines Tages die Ereignisse überschlagen: Seine Frau verlässt ihn, woraufhin er prompt seinem Leibwächter kündigt, nur um kurze Zeit später von Einbrechern überfallen zu werden. Sie verlangen von ihm das Manuskript eines Romans, welches er im Jahr 1983 als junger Mann in Wien von einem Bekannten zur Verwahrung angenommen hatte und welches seither in Vergessenheit geraten war. Kurzentschlossen legt Oswald sein Amt nieder und begibt sich zusammen mit einer gemeinsamen Freundin, einer Wiener Schauspielerin, auf die Suche nach dem Autor in der Hoffnung, das Rätsel um das mysteriöse Manuskript zu lösen.
Steinfests neuer Roman ist gewohnt skurril und voller Verstrickungen, die Geschichte bleibt spannend bis zum Schluss.
Empfehlungen für den Monat Oktober 2025
Martina Parker: Miss Vergnügen

Miss Brooks, eine mittelalterliche Britin und etwas aus der Zeit gefallen, verschlägt es ohne ihren Willen nach Wien zu ihrer Halbschwester und ihrem Schwager. Als dieser - ein wichtiger Manager eines Luxuskosmetik-Konzerns - ebenso ermordet wird wie ein weiterer Kosmetikmogul, beschließt Miss Brooks, der Sache auf den Grund zu gehen. Tatkräftige Unterstützung erhält sie von einer prominenten Moderatorin und einer Lifestyle-Journalistin.
Der Auftakt zur neuen Miss-Brooks-Serie spielt in der Wiener High-Society. Pointierte Charaktere, Wiener Schmäh und ungeahnte Wendungen sorgen für großes Lesevergnügen.
Empfehlungen für den Monat September 2025
Charlotte McConaghy: Die Rettung

Dominic führt ein außergewöhnliches Leben inmitten der Natur: allein mit seinen drei Kindern wohnt er in einem Leuchtturm auf einer entlegenen, unwirtlichen Insel. Die Forschungsbasis samt den Wissenschaftlern wurde bereits evakuiert, da die Insel vom Hochwasser bedroht ist. In wenigen Wochen soll auch die Familie von einem Schiff abgeholt werden. Als in einer stürmischen Nacht eine Frau an Land gespült wird, gerät Dominics Welt und die seiner Kinder aus den Fugen.
Neben der außergewöhnlichen Beschreibung von Naturgewalten und der Bedrohung des ökologischen Gleichgewichts geht es in diesem spannenden Roman um Zusammenhalt und Vertrauen innerhalb der Familie und darum, wie schnell dieses Gefüge aus dem Gleichgewicht geraten kann.
Caroline Wahl: 22 Bahnen

Tilda studiert Mathematik und jobbt nebenbei an einer Supermarktkassa. Sie kümmert sich um den Haushalt und übernimmt die Verantwortung für ihre jüngere Schwester Ida, denn die Mutter der beiden ist alkoholkrank, die Väter nicht vorhanden. Zum Ausgleich schwimmt sie abends 22 Bahnen im örtlichen Schwimmbad. Als Tilda eine Promotionsstelle im fernen Berlin angeboten bekommt und Viktor in ihr Leben tritt, scheint ihr Leben eine positive Wendung zu nehmen. Doch ist ihre kleine Schwester stark genug, allein bei der Mutter zu bleiben?
22 Bahnen ist ein intensiver Roman über eine innige Schwestern-Beziehung, Verantwortung und bedingungslosen Zusammenhalt.
Empfehlungen für den Sommer 2025
Ragnar Jónasson: Hulda

Mit einigem Abstand erschien nun der vierte Band der Reihe rund um die Kriminalkommissarin Hulda Hermannsdottir. Hierbei handelt es sich um eine Vorgeschichte, angesiedelt im Jahr 1980, als Hulda einen zwanzig Jahre alten Fall zugespielt bekommt, der aufgrund eines Fundes plötzlich wieder aktuell wird. Gemeinsam mit einer Kollegin reist sie in den Norden Islands, um weiterzuforschen, und reißt dabei ungeahnt alte Wunden wieder auf, was eine Kette an unheimlichen Ereignissen auslöst.
Dieser vierte Band steht seinen Vorgängern in nichts nach, da er genauso düster und fesselnd geschrieben ist.
Caroline Wahl: Windstärke 17

Nach dem Tod ihrer alkoholkranken Mutter strandet Ida auf der Insel Rügen. Sie ist wütend und traurig, gibt sich die Schuld am Tod ihrer Mutter. Die Hilfe ihrer Schwester will sie nicht annehmen. Auf der Insel wird Ida von Knut und Marianne, einem älteren Ehepaar, aufgenommen. Die beiden fragen nicht viel und geben ihr Halt und einen Job in deren Kneipe. Als Ida dann auch Leif kennenlernt, scheint ihr Leben wieder etwas leichter zu werden.
Windstärke 17 ist ein intensiver Roman, in einer knappen Sprache erzählt, über Wut und Trauer, über Mutter-Tochter-Schwester-Beziehungen und über das Weitermachen nach einem Schicksalsschlag.
Empfehlungen für den Monat Juni 2025
Sebastian Fitzek: Horror Date

Julius springt für seinen todkranken Freund Raphael bei einem Blind-Date ein. Es handelt sich dabei um ein Treffen der Plattform „The Walking Date“ für unheilbar kranke Menschen. So lernt der kerngesunde Julius in einem Restaurant die krebskranke Nala kennen. Von Beginn an folgen Lügen auf Missverständnisse und die Ereignisse überschlagen sich, sodass Julius aus dem Dilemma nicht mehr herauskommt.
Leichtfüßig aber nicht ohne Ernst nimmt sich dieser dritte Band der „Kein Thriller“ - Reihe in einer pointierten, rasanten Erzählweise der Themen Sterblichkeit, Selbstbetrug und Verantwortung an.
Empfehlungen für den Monat Mai 2025
Hera Lind: Im Namen der Barmherzigkeit

Die zweieinhalbjährige Steffi kommt in den frühen 1970er Jahren als Pflegekind auf einen steirischen Bauernhof. Sie sowie einige weitere aufgenommene Kinder wachsen dort als Menschen zweiter Klasse auf. Harte Arbeit, Ungerechtigkeiten und körperliche sowie psychische Gewalt stehen an der Tagesordnung. Steffis Leben nimmt eine Wendung, als sie als schwangere Teenagerin in einem Kloster aufgenommen wird. Erst viel später wird sie die traumatischen Erlebnisse aufarbeiten können.
Hera Lind macht aus dieser erschütternden, wahren Geschichte durch fein gesetzte Lichtblicke einen packenden Roman.
Empfehlungen für den Monat April 2025
Norbert Ruhrhofer: Mord in Bad Vöslau

Im beschaulichen Bad Vöslau stirbt beim Kurstadtlauf ein älterer Rollstuhlfahrer. Doch was hat der schwer herzkranke Mann im Trubel dort überhaupt zu Suchen gehabt? Und ist er wirklich eines natürlichen Todes gestorben? Diese Fragen beschäftigen das Ehepaar Pokorny sowie die alte Frau Katzinger, die über alles und jeden in Bad Vöslau Bescheid weiß.
Der erste Band dieser unterhaltsamen Regionalkrimi-Serie besticht mit seinen amüsanten, teilweise skurrilen Charakteren, die mit unerbittlicher Hartnäckigkeit der örtlichen Polizei helfen, den Fall zu lösen.
Daniela Raimondi: Das erste Licht des Sommers

Norma wächst in einem norditalienischen Dorf auf, ohne viel Liebe von ihrer Mutter zu bekommen. Ihre Cousine Donata ist wie eine Schwester für sie, doch als junge Frauen trennen sich ihre Wege. Norma zieht nach London, wo sie Elia, ihre Liebe aus Kindestagen, wiederfindet und heiratet. Jahre danach erfährt sie, dass Elia sie schon auf der Hochzeitsreise betrogen und ein Kind gezeugt hat. Erst Jahre später, als Norma ihre Mutter am Sterbebett begleitet, findet sie ihren Frieden.
Ein berührender, jedoch unsentimentaler Generationenroman, großartig erzählt.
Empfehlungen für den Monat März 2025
Marco Balzano: Café Royal

Der Lockdown ist im Sommer 2020 endlich vorbei, die Bewohner der sonst belebten Via Marghera in Mailand sitzen wieder im Café Royal. In wechselnden Perspektiven beschreibt Balzano diese Personen, deren Geschichten und Lebenswege sich teilweise kreuzen. Man erfährt von kriselnden Ehen, Männern, die fremdgehen, vom Leben einer Drogenabhängigen, die auf der Straße lebt, von verkorksten Mutter-Tochter-Beziehungen und einer alten Frau, die alleine in einer großen Wohnung wohnt.
Café Royal ist eine kurzweilige und leichte, aber keineswegs seichte Lektüre, die den aktuellen Zeitgeist gut trifft.
Michael Köhlmeier: Die Verdorbenen

Während seiner Studienzeit in den 1970ern lernt der Einzelgänger Johannes ein Pärchen kennen – Christiane und Tommi. Ohne sich näher zu kennen, beschließt Christiane, dass sie fortan mit Johannes leben möchte. Eine leidenschaftslose Dreiecksbeziehung entsteht, aus der Johannes immer wieder flüchtet. Auch sein latent seit der Kindheit vorhandener Wunsch, einmal einen Mann zu töten, lässt Johannes nie los.
In diesem packenden Kurzroman geht es um menschliche Abgründe und um die Frage, wie das Böse in die Welt kommt.
Empfehlungen für den Monat Februar 2025
Daniel Glattauer: In einem Zug

Eduard Brünhöfer ist Bestsellerautor von Liebesromanen, nur hat er bereits seit Jahren kein Buch mehr geschrieben. Er will nicht mehr über die Liebe schreiben und ist auch sonst eher kommunikationsfaul. Im Zug nach München, wo ihn ein unangenehmer Termin erwartet, sitzt ihm Catrin Meyr gegenüber. Sie verwickelt ihn rasch in ein Gespräch, das so gar nicht nach seinem Geschmack ist, und stellt ihm unverfroren Fragen zu seiner langjährigen Beziehung. Langsam fasst er Vertrauen, doch ganz sicher ist er sich nicht, welches Spiel hier gespielt wird.
Eine unterhaltsame, spritzige Lektüre, bei der der verbale Schlagabtausch im Zug zu einer überraschenden Wendung führt.




